Donnerstag, 9. Februar 2012

Menschenwerth

Max Vogler


Nicht, was Du bist
Durch Verstand und List,
Was Dein Besitz
An Weisheit und Witz,
Was an Dich fällt
Vom Gut der Welt,
Nicht, was Du kannst,
Was Du gewannst
An Orden und Würden
Und anderen Bürden,
D'rum Dich mit Schmeicheln
Die Menschen umheucheln,
Sich bücken und neigen
Und freundlich Dir zeigen,
Nicht, wie Dein Gewand
Und der Ring an der Hand,
Nicht die Kleider von Sammt,
Nicht Beruf, noch Amt,
Nicht Geschick und Kunst,
Noch Glück und Gunst,
Nicht Leibesgstalt
Und Macht und Gewalt,
Nicht Ruhmeslicht,
Selbst die Krone nicht,
Die das Haupt Dir schmückt
Und vielleicht auch drückt,
Giebt unversehrt
Dir Menschenwerth. —
Wie das Herz Dir schlägt,
Was Dich bewegt

Mit warmem Gefühle
In des Marktes Gewühle,
Was in Dir ruht
Im Gemüth und Blut,
Was Du hältst und hegst
Und willst und wägst,
Was in Dir erblüht
Und drängt und glüht,
Was tief in Dir
Als der Seele Zier,
Was Du sinnst und denkst,
Wohin Du lenkst
Mit Deinen Gedanken
Ohne Schwanken und Wanken,
Im lebendig entfachten
Dichten und Trachten:
Nach tändelnden Spielen, —
Nach herrlichen Zielen,
In Geistessaaten
Unsterblicher Thaten,
Dich innig bewegend,
Die Menschheit segnend
In friedlicher Weile
Mit ewigem Heile, —
Das giebt Dir den Werth,
Und macht Dich verehrt
Den Ehrenfesten,
Den Edlen und Besten,
Und sie grüßen Dir zu —
Denn das bist Du!


Quelle: https://gedichte.xbib.de

Prahle nicht!

Max Vogler


Prahle nicht mit deiner Schönheit!
Denn du weißt wohl, wie viel Blüthen
Noch bevor der Sommer nahte
Schon verwelkten und verglühten!

Prahle nicht mit deinem Reichthum!
Denn wie oft ward er entrissen
Denen, die mit leerer Seele
Ihn nun bitter, bitter missen!

Prahle nicht mit deiner Klugheit!
Denn sie kann ja nicht durchdringen
Alle Höhen, alle Tiefen
Und die rechte Wahrheit bringen!

Prahle nicht mit deinem Mitleid,
Das zum Wohlthun auserlesen!
Was du dem Bedrängten thatest
Ist nur deine Pflicht gewesen!

Prahle nicht mit deiner Reinheit,
Die so frei von jedem Fehle!
Du hast manches wohl verschuldet,
Weiß es auch nicht deine Seele!

Prahle nicht mit deinem Hochsinn,
Der das Rechte stets erstrebe!
Darum ward ihm die Vernunft ja
Daß der Mensch nur menschlich lebe!

Prahle nicht mit deinem Glück du,
Das die Seele dir umfangen!
Denn wir bleiben immer Staub nur,
Schweben zwischen Hangen, Bangen!

Prahle nicht! doch wenn dein Geist dir
Festen Sinn im Kampf bescheerte,
Darfst du rufen: Ich bin reicher,
Reicher, als die ganze Erde!


Quelle: https://gedichte.xbib.de

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