Donnerstag, 14. März 2013

Der teuflische Sirenenton

Max Herrmann-Neisse


Hastig leer gegessen wird der Teller,
bleibt die Abendrast noch ungestört,
doch bald kriecht man wieder in den Keller,
wenn man die Sirene heulen hört,

dieses unnatürlich grelle Heischen,
Jägerhatz, vor der dem Opfer graut,
böses, nervenpeinigendes Kreischen,
gleich dem tierisch gottverlassnen Laut,

der mich aus dem Kinderschlaf einst schreckte,
als ich scheu im Hemd zum Fenster sprang
und am Weg das irre Weib entdeckte,
das der Wärter in den Wagen zwang.

Aufbewahrt in des Bewußtseins Grunde
blieb mir dieser Mißton all die Zeit,
bis ihn jetzt zur unglückseligen Stunde
größren Wahnes Stimme überschreit.

Eine ganze Menschheit kam von Sinnen,
Aberwitz trübt ganzer Welten Geist;
lange Unzeit muß vielleicht verrinnen,
ehe sich ein Weg ins Lichte weist,

und wenn jetzt mit panisch irrem Klagen
die Sirenen über Land und Meer
jedes Leben aus dem All verjagen,
liegt die Erde wieder wüst und leer.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Max Herrmann-Neisse

Impressum/Kontakt

Suche

 

Menü

Sozialkritische Gedichte

twoday.net

Lesestoff







Jürgen Friedrich Weissleder, Jana Ramm
TAGESdosen & pfandZEITEN

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (summary)
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB

Blogverzeichnis Blog Button Blogverzeichnis

Web Counter-Modul


(Alfred Henschke) Klabund
Ada Christen
Adinda Flemmich
Adolf Friedrich von Schack
Adolf Glaßbrenner
Adolf Schults
Albin Zollinger
Albrecht von Haller
Alexander Alexandrowitsch Blok
Alexander Puschkin
Alfons Petzold
Alfred Lichtenstein
Annette Droste-Hülshoff
Anton Alfred Noder
Arno Holz
Attila József
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
development