Der teuflische Sirenenton
Max Herrmann-Neisse
Hastig leer gegessen wird der Teller,
bleibt die Abendrast noch ungestört,
doch bald kriecht man wieder in den Keller,
wenn man die Sirene heulen hört,
dieses unnatürlich grelle Heischen,
Jägerhatz, vor der dem Opfer graut,
böses, nervenpeinigendes Kreischen,
gleich dem tierisch gottverlassnen Laut,
der mich aus dem Kinderschlaf einst schreckte,
als ich scheu im Hemd zum Fenster sprang
und am Weg das irre Weib entdeckte,
das der Wärter in den Wagen zwang.
Aufbewahrt in des Bewußtseins Grunde
blieb mir dieser Mißton all die Zeit,
bis ihn jetzt zur unglückseligen Stunde
größren Wahnes Stimme überschreit.
Eine ganze Menschheit kam von Sinnen,
Aberwitz trübt ganzer Welten Geist;
lange Unzeit muß vielleicht verrinnen,
ehe sich ein Weg ins Lichte weist,
und wenn jetzt mit panisch irrem Klagen
die Sirenen über Land und Meer
jedes Leben aus dem All verjagen,
liegt die Erde wieder wüst und leer.
Quelle: https://gedichte.xbib.de
Max Herrmann-Neisse
Hastig leer gegessen wird der Teller,
bleibt die Abendrast noch ungestört,
doch bald kriecht man wieder in den Keller,
wenn man die Sirene heulen hört,
dieses unnatürlich grelle Heischen,
Jägerhatz, vor der dem Opfer graut,
böses, nervenpeinigendes Kreischen,
gleich dem tierisch gottverlassnen Laut,
der mich aus dem Kinderschlaf einst schreckte,
als ich scheu im Hemd zum Fenster sprang
und am Weg das irre Weib entdeckte,
das der Wärter in den Wagen zwang.
Aufbewahrt in des Bewußtseins Grunde
blieb mir dieser Mißton all die Zeit,
bis ihn jetzt zur unglückseligen Stunde
größren Wahnes Stimme überschreit.
Eine ganze Menschheit kam von Sinnen,
Aberwitz trübt ganzer Welten Geist;
lange Unzeit muß vielleicht verrinnen,
ehe sich ein Weg ins Lichte weist,
und wenn jetzt mit panisch irrem Klagen
die Sirenen über Land und Meer
jedes Leben aus dem All verjagen,
liegt die Erde wieder wüst und leer.
Quelle: https://gedichte.xbib.de
Max Herrmann-Neisse
JimPfeffer - 14. Mär, 17:24






