Der Tod eines Planeten
Eugène Pottier
Für Benoît Malon, Mitglied der Commune
Am tiefsten Himmel, wo die Sterne schwimmen,
Auch unser Auge mit den Sternen schwimmt.
Zuweilen doch geschieht es, daß die Stimmen
Der Ewigkeit des Geistes Ohr vernimmt.
Du Himmel voll Gestirne zeigst uns wieder,
Daß du beseelt und fühlend bist. Denn seht,
Die Liebe einigt alle Flammenbrüder.
Ihr Sonnen, weint, denn ein Planet vergeht!
Er dreht sich im stolzen Gleichgewichte,
Und kein Geschöpf an Hunger je verkam.
Der Mensch, der frei war, konnte seine Früchte
Im Überfluß genießen, ohne Scham.
Doch stahl ein Diebesgeschlecht uns Frucht und Kerne
Und ließ verfaulen, was die Welt gesät.
Sein Wahnsinn aber stinkt bis an die Sterne.
Ihr Sonnen, weint, denn ein Planet vergeht!
Mit Strömen Bluts müßt ihr den Krieg bezahlen.
Mit noch mehr Blut bezahlt ihr die Idee.
Wie Menschenfleisch ernährt den Kannibalen,
So nährt vom Menschenfleisch sich der Bankier.
Das ist der Henker, der in blutgen Händen
Die arme Erdenkugel wägt und dreht,
Um seinem finstren Gott sie zu verschwenden.
Ihr Sonnen, weint, denn ein Planet vergeht!
Und doch - die alten Träume uns erfüllen.
Wer wollte aus der Lust am Dasein fort!
Es braust aus dem Gewühl der Menschenwillen
Der Leidenschaften göttlicher Akkord.
Vergebens, arme Seele! Sie gebrauchen
Das Henkerbeil als christliches Gerät.
Prometheus darf nur noch auf Strümpfen krauchen.
Ihr Sonnen, weint, denn ein Planet vergeht!
Ein Schluchzen schallt durch alle Himmelreiche
Als letzter Schrei am Tage des Gerichts.
Die Ewigkeit zerstäubte die Riesenleiche
Und bläst die Hülse in das leere Nichts.
Leer wird das Weltall sein nach den Gewittern,
Und letzter Wirbelrauch der Welt verweht.
Plejadenhimmel voll von Knochensplittern!
Ihr Sonnen, weint, denn ein Planet vergeht!
(dt. von Erich Weinert)
Quelle: Tränen und Rosen ( Krieg und Frieden in Gedichten aus fünf Jahrtausenden) von Achim Roscher
Für Benoît Malon, Mitglied der Commune
Am tiefsten Himmel, wo die Sterne schwimmen,
Auch unser Auge mit den Sternen schwimmt.
Zuweilen doch geschieht es, daß die Stimmen
Der Ewigkeit des Geistes Ohr vernimmt.
Du Himmel voll Gestirne zeigst uns wieder,
Daß du beseelt und fühlend bist. Denn seht,
Die Liebe einigt alle Flammenbrüder.
Ihr Sonnen, weint, denn ein Planet vergeht!
Er dreht sich im stolzen Gleichgewichte,
Und kein Geschöpf an Hunger je verkam.
Der Mensch, der frei war, konnte seine Früchte
Im Überfluß genießen, ohne Scham.
Doch stahl ein Diebesgeschlecht uns Frucht und Kerne
Und ließ verfaulen, was die Welt gesät.
Sein Wahnsinn aber stinkt bis an die Sterne.
Ihr Sonnen, weint, denn ein Planet vergeht!
Mit Strömen Bluts müßt ihr den Krieg bezahlen.
Mit noch mehr Blut bezahlt ihr die Idee.
Wie Menschenfleisch ernährt den Kannibalen,
So nährt vom Menschenfleisch sich der Bankier.
Das ist der Henker, der in blutgen Händen
Die arme Erdenkugel wägt und dreht,
Um seinem finstren Gott sie zu verschwenden.
Ihr Sonnen, weint, denn ein Planet vergeht!
Und doch - die alten Träume uns erfüllen.
Wer wollte aus der Lust am Dasein fort!
Es braust aus dem Gewühl der Menschenwillen
Der Leidenschaften göttlicher Akkord.
Vergebens, arme Seele! Sie gebrauchen
Das Henkerbeil als christliches Gerät.
Prometheus darf nur noch auf Strümpfen krauchen.
Ihr Sonnen, weint, denn ein Planet vergeht!
Ein Schluchzen schallt durch alle Himmelreiche
Als letzter Schrei am Tage des Gerichts.
Die Ewigkeit zerstäubte die Riesenleiche
Und bläst die Hülse in das leere Nichts.
Leer wird das Weltall sein nach den Gewittern,
Und letzter Wirbelrauch der Welt verweht.
Plejadenhimmel voll von Knochensplittern!
Ihr Sonnen, weint, denn ein Planet vergeht!
(dt. von Erich Weinert)
Quelle: Tränen und Rosen ( Krieg und Frieden in Gedichten aus fünf Jahrtausenden) von Achim Roscher
JimPfeffer - 28. Aug, 12:09






