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Ernst Toller

Mittwoch, 25. Juni 2014

Spaziergang der Sträflinge

Ernst Toller


Sie schleppen Zellen mit in stumpfen Blicken
Und stolpern wie geblendet im Quadrat,
Gehetzte, die im Steinverlies ersticken.
Gehetzte, die ein Paragraph zertrat.

Im Eck die Wärter träge lauern,
Von Sträuchern rinnt ein trübes Licht,
Das kriecht empor an starren Mauern,
Betastet schlaffe Körper und zerbricht.

Der Himmel öffnet sich wie rote Wunde,
Die brennt und brennt und brennt.

Ernst Toller

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Marschlied

Ernst Toller


Wir Wand'rer zum Tode,
Der Erdnot geweiht,
Wir kranzlose Opfer,
Zu letzten bereit.

Wir fern aller Freude
Und fremd aller Qual.
Wir Blütenverwehte
Im nächtlichen Tal.

Wir Preis einer Mutter,
Die nie sich erfüllt,
Wir wunschlose Kinder,
Von Schmerzen gestillt.

Wir Tränen der Frauen,
Wir lichtlose Nacht,
Wir Weisen der Erde
Ziehn stumm in die Schlacht.



Quelle: https://hor.de/gedichte/ernst_toller/index.html

Donnerstag, 23. August 2012

Unser Weg

Ernst Toller


Die Klöster sind verdorrt und haben ihren Sinn verloren,
Sirenen der Fabriken überschrillten Vesperklang,
Und der Millionen trotziger Befreiungssang
Verstummt nicht mehr vor klösterlichen Toren.

Wo sind die Mönche, die den Pochenden zur Antwort geben:
"Erlösung ist Askese weltenferner Stille ...?"
Ein Hungerschrei, ein diamantner Wille
Wird an die Tore branden: "Gebt uns Leben!"

Wir foltern nicht die Leiber auf gezähnten Schragen,
Wir haben andern Weg zu Gott gefunden,
Uns sind nicht stammelndes Gebet die Stunden,

Das Reich des Friedens wollen wir zur Erde tragen,
Den Unterdrückten aller Länder Freiheit bringen -
Wir müssen um das Sakrament der Erde ringen.



Quelle: https://hor.de/gedichte/ernst_toller/index.html

Sonntag, 30. Oktober 2011

Den Müttern (1917)

Ernst Toller


Mütter,
Eure Hoffnung, Eure frohe Bürde,
Liegt in aufgewühlter Erde,
Röchelt zwischen Drahtverhauen,
Irret blind durch gelbes Korn.
Die auf Feldern jubelnd stürmten,
Torkeln eingekerkert, wahnsinnsschwärend,
Blinde Tiere durch die Welt.
Mütter!
Eure Söhne taten das einander.

Grabt Euch tiefer in den Schmerz,
Lasst ihn zerren, ätzen, wühlen,
Recket gramverkrampfte Arme,
Seid Vulkane, glutend Meer:
Schmerz gebäre Tat!

Euer Leid, Millionen Mütter,
Dien als Saat durchpflügter Erde,
Lasse keimen
Menschlichkeit.

Aus: Vormorgen,Potsdam, Gustav Kiepenheuer Verlag, 192

Quelle: https://www.fredsakademiet.dk/read/sprog/tysk/index.htm

Montag, 24. Oktober 2011

Den Toten der Revolution

Ernst Toller


Todgeweihte Leiber
trotzig gestemmt
Wider den Bund
der rohen Bedränger,
Löschte Euch Schicksal
mit dunkler Gebärde.
Wer die Pfade bereitet,
stirbt an der Schwelle,
Doch es neigt sich vor ihm
in Ehrfurcht der Tod.


Quelle: https://gedichte.xbib.de

Montag, 27. Juli 2009

Den Lebenden

Ernst Toller


Euch ziemt nicht
Trauern,
Euch ziemt nicht
Verweilen,
Euch ward Vermächtnis,
Getränkt
Vom Herzblut der Brüder,
Euer
Wartet die schaffende
Tat.
Lastend
Bedränget den Nacken
Die Zeit.
Aufsprengt
Dem helleren Morgen
Die Tore!


Quelle: https://gedichte.xbib.de

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