Federico Garcia Lorca

Freitag, 21. Dezember 2012

NEW YORK / BÜRO UND ANZEIGE

Federico Garcia Lorca

Für Fernando Vela


Unter den Multiplikationen
rinnt ein Tropfen Entenblut;
unter den Divisionen
rinnt ein Tropfen Seemannsblut;
unter den Summen ist ein Fluß aus zartem Blut.
Ein Fluß, der durch die Vorstadtschlafgelasse singt
und der im trügerischen Morgendämmer von New York
Zement ist, Silber oder Brise.
Die Berge sind. Ich weiß.
Und auch die Brillen zur Gelehrsamkeit.
Ich weiß. Doch bin ich nicht zu sehen den Himmel
hergekommen.
Gekommen bin ich, um das trübe Blut zu sehen.
Das Blut, das die Maschinen zu den Katarakten,
den Geist zur Kobrazunge treibt.
Geschlachtet werden in New York an jedem Tage
vier Millionen Enten,
fünf Millionen Schweine,
zweitausend Tauben auch, den Sterbenden zum
Gaumenreiz,
eine Million Kühe,
eine Million Lämmer
und zwei Millionen Hähne,
die alle Himmel hinter sich in Splittern lassen.
Viel besser ist´s zu schluchzen, während man die Klinge schleift,
oder auf Jagden, die begauckelnd blenden,
die Hunde umzubringen,
als bei des Morgens Anbruch zu ertragen
die Züge, die nicht enden, voller Milch,
die Züge, die nicht enden voller Blut,
die Züge voller Rosen, deren Hände man gefesselt,
für jene, die mit Düften handeln.
Die Enten und die Tauben
und die Schweine und die Lämmer
verträufen ihres Blutes Tropfen
zuunterst aller Multiplikationen,
und das entsetzlich ausgeheulte Wehgeschrei der fast
zerquetschten Kühe
erfüllt mit Schmerz das Tal,
darin der Hudson sich mit Öl besäuft.
Ich klage all die Leute an,
die nichts, die gar nichts von der anderen Hälfte wissen,
der Hälfte, welche nie mehr auszulösen ist,
die ihre Berge aus Zement errichten,
wo all der Tierchen, die vergessen werden,
Herzen schlagen,
und wo wir alle niederfallen
beim letzten Fest der Bohrer.
Ich spei euch ins Gesicht.
Die andre Hälfte hört mir zu,
derweil sie frißt und pißt und fliegt, in ihrer Reinheit
den Kindern aus den Pförtnerstuben gleich,
die spröde, dünne Stöckchen an die Lücken stellen,
wo die Antennen der Insekten rosten.
Es ist die Hölle nicht, es ist die Straße.
Ist nicht der Tod, es ist der Obststand.
Es gibt da eine Welt von unterbrochnen Flüssen
und von Entfernungen, die man nicht fassen kann,
in dem vom Kraftfahrzeug
zerbrochnen Füßchen dieser Katze da,
und in den Herzen vieler Mädchen höre ich
des Wurmes Weise.
Rost, Gärung, Erde, die erbebt.
Du selbe Erde, die du hinschwimmst
auf den Ziffern des Büros.
Was kann ich tun? Die Landschaften in Ordnung
bringen?
Die großen Lieben ordnen, die später Lichtbildabzug sind,
die später Stücke sind aus Holz
und ein paar Mundvoll Blut?
Der heilige Ignatius von Loyola
ermordete ein winziges Kaninchen,
und um der Kirchen Türme seufzen
noch immer seine Lippen.
Nein, nein, nein, nein, ich zeige an.
Ich zeige die Verschwörung an
all der verödeten Büros,
die nicht durch Radio die Todeskämpfe übertragen
und die des Walds Programme streichen,
und biete mich zum Fraße an
den Kühen, die man fast zerquetscht,
wenn ihre Schreie rings das Tal erfüllen,
darin der Hudson sich mit Öl besäuft.


Quelle: Poesiealbum 27/ Bernd Jentzsch
Aus dem Spanischen übertragen von Enrique Beck

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