Hanns von Gumppenberg

Freitag, 5. April 2013

Das Zigarrenlied

Hanns von Gumppenberg

Ein Couplet

Der Mensch ist wie eine Zigarre,
Gewickelt als Wickelkind,
Sortiert und gepreßt mit viel andern
In ein Titelkistchen geschwind!
Und ist er dann trocken unfraglich
Und gelagert die übliche Frist:
Dann kauft und verpafft ihn behaglich
Ein beliebiger Kapitalist.

Der Mensch ist wie eine Zigarre,
Das Deckblatt entscheidet den Wert:
Ist′s glatt, elegant, appetitlich,
So wird er geliebt und geehrt;
Exemplare mit fehlfarbner Hülle
Bieten oft zwar besondern Genuß -
Doch sind sie für Kenner, für stille,
Und ,pour la noblesse′ sind sie "Schuß".

Der Mensch ist wie eine Zigarre,
Befriedigt nicht jeden egal:
Man findet zu stark und zu scharf ihn,
Man schilt ihn zu leicht und zu schal!
Am beliebtesten ist noch die Mischung
Von Tabaken drei, vier oder sechs -
Doch der Kenner, der holt sich Erfrischung
Bei dem einfach reinen Gewächs.

Der Mensch ist wie eine Zigarre,
Er lebt nur, solang er noch glüht,
Solange verlangend tiefinnen
Die Sehnsucht noch zündet und sprüht!
Und muß es ihn zärtlich verzehren,
Dies Glühen so prächtig und rot -
Auf allen Lebensaltären
Loht feuriger, freudiger Tod!

Der Mensch ist wie eine Zigarre,
Kommt manchmal nur mühsam in Zug,
Oft, weil er zu schief ist gewickelt,
Und oft, weil nicht locker genug!
Doch brennt er nun schwach oder feste,
Verknistert er fruh oder spat:
Blauer Dunst ist am Menschen das Beste,
Und Asche das Resultat.


Quelle: https://gedichte.xbib.de

Hanns von Gumppenberg

Donnerstag, 12. August 2010

Unter den Masken

Hanns von Gumppenberg


Oh, wie sie mich irritierten!
Doch nun kenn′ ich ja das Spiel -
Unter lauter Wohlmaskierten
Ging ich simpel in Zivil:

Trug nicht bunte Faschingstrachten
So wie sie das ganze Jahr -
Und sie stutzten, und sie lachten,
Weil ich ohne Rückhalt war,

Ohne heimlichste Gedanken,
Ohne schlauen Hintergrund -
Hu, wie wirrte das die Kranken,
Daß ich blank war und gesund!

Und es wußten Herrn und Damen
Keine Rettung aus der Not:
Als, daß sie für Maske nahmen,
Was ich ihnen ehrlich bot.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Den Unruhvollen

Hanns von Gumppenberg


Ich lasse von euch mich nicht niederziehen
Ins Chaos blutsaugender Sorgen und Schmerzen -
Ihr sollt mir nicht wirren die Harmonieen,
Und wärt ihr die nächsten an meinem Herzen!

Ich hab′ sie errungen in Ängsten und Qualen,
Dagegen die euern gelind und geringe:
Und als ich mich hob zu den silbernen Strahlen,
Da schüttelt′ ich Höllengeflamm von der Schwinge.

Ich lasse von euch mich nicht niederzwingen,
Und ob ihr mich zehnfach verkennt als Kalten -
Ich weiß, was heißt es, zur Höhe sich ringen,
Und heiter hier oben mich will ich erhalten!

Wie könnt′ ich euch helfen durch Niedersteigen?
Auch ihr müßt das Feindliche selbst überwinden:
Und soll ich euch nützen, so lasset mich zeigen
Durch all meine Ruhe, daß Ruh′ ist zu finden.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Impressum/Kontakt

Suche

 

Menü

Sozialkritische Gedichte

twoday.net

Lesestoff







Jürgen Friedrich Weissleder, Jana Ramm
TAGESdosen & pfandZEITEN

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (summary)
xml version of this page (with comments)
xml version of this topic

twoday.net AGB

Blogverzeichnis Blog Button Blogverzeichnis

Web Counter-Modul


(Alfred Henschke) Klabund
Ada Christen
Adinda Flemmich
Adolf Friedrich von Schack
Adolf Glaßbrenner
Adolf Schults
Albin Zollinger
Albrecht von Haller
Alexander Alexandrowitsch Blok
Alexander Puschkin
Alfons Petzold
Alfred Lichtenstein
Annette Droste-Hülshoff
Anton Alfred Noder
Arno Holz
Attila József
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
development