Heinrich Kämpchen

Dienstag, 20. November 2012

Lumpenparade

Heinrich Kämpchen


Knappen, seht euch die Lumpen an,
Die da kommen des Weges heran,
Eskortiert von der Polizei,
Kameraden, herbei, herbei!
Vorn im Zuge, ihr kennt ihn ja,
Stelzt der „Lange“ von Dingesda –
Ihm zu Seite, das „Huhn“ genannt,
Trippelt der lahme Ferdinand.
Hinter den beiden folgen dann dicht
„Wisper-Wilm“ und das „Affengesicht“,
Taugten noch nimmer in Kampf und Not,
Leckten sich immer zu Lohn und Brot. –
Wieder kommen jetzt nette zwei,
Schon berüchtigt durch mancherlei,
Seht ihr den falschen, schielenden Blick?
Denunzieren, das ist ihr Trick. –
Ihnen folgen, in schönem Kranz,
„Pulver-Fritze“ und „Hagel-Franz“,
Litten an Arbeitswut sonst nie,
Jetzt mit den „Braven“ auch schuften sie. –
Und so reihen sich Mann an Mann,
Alles „Defekte“, im Zuge an –
Keiner, der nicht von euch schon „geeicht“ –
Mucker und Ducker, so weit es reicht. –
Darum, Knappen, habet gut Acht!
Daß ihr sie wiedererkennet im Schacht,
Wenn zu Ende der schlimme Krieg,
Wenn dem Rechte erfochten der Sieg,
Wenn die Friedensschalmei erklingt,
Wenn ihr wieder die Keilhau schwingt –
Dann, es kann keine Frage sein,
Haltet ihr euch von den Lumpen rein,
Die euch ständig im Rücken bedroht,
Die euch verrieten in Kampf und Not. –
Darum, Knappen, habet gut Acht,
Daß ihr sie wiedererkennet im Schacht. –



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Im Friedrichshain

Heinrich Kämpchen



Die Luft ist feucht, der Märzwind weht,
Der frische Wind im Märzen,
Und wer die Gräberstatt begeht,
Dem brennt es heiß im Herzen. –

Sie liegen da in langen Reih’n,
Umhegt von Totenbäumen,
Mit dem zerschossenen Gebein
Und mit den Freiheitsträumen. –

Sie wittern wieder Märzenluft
Und wundern sich im Stillen,
Daß immer noch an ihrer Gruft
Die Eulenrufe schrillen. –

Daß immer noch der Freiheit Ton
Sich stumm und scheu muß bergen,
Daß immer noch die Reaktion
Fortherrscht mit ihren Schergen.

Sie horchen scharf in stiller Gruft,
Die großen Augen offen –
Doch, wittern sie auch Märzenluft,
Umsonst ist noch ihr Hoffen. –



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Mittwoch, 27. Mai 2009

Der Herrenmensch

Heinrich Kämpchen


Ich bin der Herr, du bist der Knecht!
So gilt’s nach freiem Herrenrecht
Und muckst du noch und willst du trutzen,
So werd’ ich dir den Kamm schon stutzen
Du wirst gesperrt nach meinem Recht,
Denn ich bin Herr und du bist Knecht!

Für mich des Ueberflusses Horn,
Für dich die Peitsche und der Sporn
Für mich die Polster und die Kissen,
Für dich des Lebens Bitternissen
So ist es gut, so ist es recht,
Denn ich bin Herr und du bist Knecht!

Für mich Wein, Weiber und Gesang,
Für dich die Arbeit und der Zwang,
Die Hörigkeit bis fort zum Grabe,
Damit ich alles, alles habe.
So ist es gut, so ist es recht,
Denn ich bin Herr und du bist Knecht!

Ja, ich bin Herr und du bist Knecht!
Was faselst du von Menschenrecht,
Die blöde, alberne Tirade?
Du, der nur lebt von meiner Gnade,
Von meinem angestammten Recht,
Denn ich bin Herr und du bist Knecht!

So war’s und muß es immer sein,
Darum, du Sklav’, ergib dich drein
Die ganze Welt zeigt dir die Spuren
Von Herren- und von Knechtsnaturen.
Ich bin zum Herren auserseh’n,
Du kannst als Knecht nur fortbesteh’n.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Himmel und Hölle

Heinrich Kämpchen


Himmelslust und Höllenschrecken,
Sind erst diese überstanden,
Wird der Mensch mit vollen Segeln
In der Freiheit Hafen landen.

Denn nur diese sind’s, nur diese,
Nicht Soldaten und Kanonen,
Nur die große Massendummheit
Schützt den Fürsten ihre Kronen.

Und noch lange wird es dauern,
Macht euch ja kein falsches Hoffen,
Eh’ die Dummheit überwunden,
Eh’ ihr sie zu Tod getroffen.

Schlagt ihr sie auch rastlos nieder
Mit dem Geistesschwert geschäftig,
Immer, wie das Haupt der Hyder,
Wird sie wieder lebenskräftig.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

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