Hoffmann von Fallersleben

Freitag, 22. November 2013

Ein Lied aus meiner Zeit

Hoffmann von Fallersleben


Ein politisch Lied, ein garstig Lied!
So dachten die Dichter mit Goethen
Und glaubten, sie hätten genug getan,
Wenn sie könnten girren und flöten
Von Nachtigallen, von Lieb und Wein,
Von blauen Bergesfernen,
Von Rosenduft und Lilienschein,
Von Sonne, Mond und Sternen.

Ein politisch Lied, ein garstig Lied!
So dachten die Dichter mit Goethen
Und glaubten, sie hätten genug getan,
Wenn sie könnten girren und flöten -
Doch anders dachte das Vaterland:
Das will von der Dichterinnung
Für den verbrauchten Leiertand
Nur Mut und biedre Gesinnung.

Ich sang nach alter Sitt' und Brauch
Von Mond und Sternen und Sonne,
Von Wein und Nachtigallen auch,
Von Liebeslust und Wonne.
Da rief mir zu das Vaterland:
Du sollst das Alte lassen,
Den alten verbrauchten Leiertand,
Du sollst die Zeit erfassen!

Denn anders geworden ist die Welt,
Es leben andere Leute;
Was gestern noch stand, schon heute fällt,
Was gestern nicht galt, gilt heute.
Und wer nicht die Kunst in unserer Zeit
Weiß gegen die Zeit zu richten,
Der werde nun endlich bei Zeiten gescheit
Und lasse lieber das Dichten!



Hoffmann von Fallersleben

Quelle: https://www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/politische_gedichte.php

Freitag, 28. Mai 2010

Langweilig und schlecht

Hoffmann von Fallersleben, 1841


(Aus der Sammlung Unpolitische Lieder II)

Wie ist die Willkür und Gewalt
doch in der Welt gemein!
Die Welt ist schon so klug und alt
und muß doch dienstbar sein!
Wann bricht der Freiheit goldener Strahl
in unsere Nacht hinein?
Wann endet unser Joch einmal,
wann unsere Not und Pein?
O weh! O weh!
Wann unsere Not und Pein?

Geduld ist unsere Fröhlichkeit,
Gehorsam unser Glück,
und niemals kommt Zufriedenheit
in unsere Welt zurück.
Wohl anders wird es jeden Tag,
doch besser wird es nie.
Wer das ein Glück noch nenne mag,
ist dumm wie‘ s liebe Vieh,
o weh! O weh!
Ist dumm wie‘ s liebe Vieh.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

An die Gegenwartvergötterer

Hoffmann von Fallersleben


Ach ! wir sind zu sehr befangen
in der eigenen Schlechtigkeit,
daß wir immer noch verlangen
immer nach der besseren Zeit.

Doch wir wollen uns bestreben,
wollen tun, wie ihr es tut,
und so ganz dem Guten leben
ohne allen Zweifelsmut.

Und wir wollen nicht mehr streiten,
wollen sehen, wie ihr es seht;
O wie gut sind unsere Zeiten,
und wie gut doch alles geht !

Gut ist alles, was bestehet,
und wie gut, daß ihr noch bleibt,
und für uns noch hört und sehet,
und für uns noch denkt und schreibt !



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Niemandes Herr, Niemandes Knecht

Hoffmann von Fallersleben


Zum Amboß hielt ich mich zu schlecht,
zum Hammer war ich euch nicht recht.
So bin ich Amboß nicht noch Hammer
und rufe frei von Herzensjammer:
So ist es gut, so ist es recht,
Niemandes Herr, Niemandes Knecht !

Fliegt frei der Vogel durch das Feld,
so ist noch sein die ganze Welt.
Müßt‘ er im goldenen Käfig hocken,
er würde schwerlich dort frohlocken:
So ist es gut, so ist es recht,
Niemandes Herr, Niemandes Knecht !



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Sie und Ich

Hoffmann von Fallersleben


Ihr seid die Herrn der Schlösser und Paläste,
zu Haus bei Gold und Edelstein:
Ich bin ein Fremdling, bin ein Gast der Gäste,
nicht einen Grashalm nenn ich mein.

Doch mir gehört die hohe Himmelsfeste,
der Frühling und der Sonnenschein:
Behaltet eure Schlösser und Paläste !
Ich singe - und die Welt ist mein.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Wir wollen es nicht haben

Hoffmann von Fallersleben


Wir sollen hübsch im Paradiese bleiben
und uns wie‘s Adam tat die Zeit vertreiben,
und keine Bücher lesen, keine schreiben -
wir sollen hübsch im Paradiese bleiben.

Wir sollen vom Erkenntnisbaum nicht essen,
uns freu´n an allem was uns zugemessen,
und des Gebotes nimmermehr vergessen:
Wir sollen vom Erkenntnisbaum nicht essen.

Das Paradies hat uns nur stets verdrossen,
wie gerne sind wir davon ausgeschlossen!
Drum haben wir von diesem Baum genossen -
das Paradies hat uns nur stets verdrossen.

Du Paradies der Diener und Soldaten,
leb wohl, du Jagdrevier der Potentaten,
wir wollen dein auf ewig nun entraten,
Du Paradies der Diener und Soldaten!



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Pfaffen

Hoffmann von Fallersleben


Ihr seid nicht Christen, seid nur Pfaffen,
seid nicht des Heilands Ebenbild;
ihr führte nicht der Liebe Waffen
und traget nicht der Demut Schild.

Der Heiland hat der Welt den Frieden,
und nur der Sünde Krieg gebracht:
Ihr aber habt zum Krieg hienieden
die ganze Menschheit angefacht.

Ihr kreuzigt täglich noch den Heiland;
erschien' er , wie er einst erschien,
Ihr rieft wie die Juden weiland
und lauter nur: Ha, kreuzigt ihn !



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Sehnsucht nach dem Frühling

Hoffmann von Fallersleben


O wie ist es kalt geworden
und so traurig, öd' und leer!
Rauhe Winde wehn von Norden,
und die Sonne scheint nicht mehr.

Auf die Berge möcht' ich fliegen,
möchte sehn ein grünes Tal,
möcht' in Gras und Blumen liegen
und mich freun am Sonnenstrahl.

Möchte hören die Schalmeien
und der Herden Glockenklang,
möchte freuen mich im Freien
an der Vögel süßem Sang.

Schöner Frühling, komm doch wieder,
lieber Frühling, komm doch bald,
bring uns Blumen, Laub und Lieder,
schmücke wieder Feld und Wald!



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Eile mit Weile

Hoffmann von Fallersleben


Ja, immer größer wird die Eile:
Man sucht Gewinn, man will Genuß,
Doch bleibet uns an Langeweile
noch immer großer Überfluß.

Und fliegst du wie ein Vogel, fliege !
Die Langeweile läßt nicht ab;
Sie lag mit Dir schon in der Wiege,
Sie geht mit Dir auch in das Grab.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Lied der Unfähigen

Hoffmann von Fallersleben


Es saust der Wind, es braust das Meer,
wir wollen nicht erzittern:
Das Recht ist unsere Waff´ und Wehr´,
wir stehen wie der Fels im Meer
trotz Sturm und Ungewittern

Viel Feind, viel Ehr´! ist unser Spruch
in gut´ und bösen Tagen.
Der Feinde List, der Feinde Dräun
heißt uns den edlen Kampf erneun,
wir wollen´ s ferner wagen.

Es saust der Wind, es braust das Meer,
es kommt der Tag der Rache,
und über allem Lug und Trug
schwebt siegreich einst in stolzem Flug
unsere gerechte Sache.



Quelle: https://www.von-fallersleben.de

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