Karl May

Dienstag, 7. April 2009

Erdenleid

Karl May


Siehst du das Leid der Erde
an deinem Lager stehn,
so denke nicht, es werde
schon morgen wieder gehn.

Es wird das Leid der Erde
aus Liebe dir gesandt,
daß es dein Führer werde
hinauf ins Vaterland.

Es bleibt das Leid der Erde
dir treu, so lang du lebst,
damit errungen werde
der Sieg, den du erstrebst.

Es geht das Leid der Erde
selbst in den Tod mit dir,
auf daß es dort dir werde
das Gegenteil von hier.

So nimm das Leid der Erde
gern auf als Kamerad,
daß es zur Freude werde,
wenn sich der Himmel naht!



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Der Völkerfriede

Karl May, 1900


Trag nicht empor ins Himmelreich,
was auf der Erde hat zu bleiben!
Du bist noch lange Gott nicht gleich
und willst dich ihm doch einverleiben.
Du wirfst ihm alle irdschen Fragen
zur pflichtgemachten Lösung hin;
die Allmacht soll sich für dich plagen;
das ist des Glaubens Zweck und Sinn.

Erscheint dir eine Last zu schwer,
will Etwas dir nicht gleich gelingen,
so sorgt dich das nicht allzusehr;
du kannst es ja dem Vater bringen.
Du bist von ihm einst ausgegangen
und kehrest einst zu ihm zurück;
du brauchst von ihm nur zu verlangen,
dein Heil ist ja sein eignes Glück.

So soll Gott Alles für dich tun;
er soll sogar auch für dich lieben.
Auf seiner Güte auszuruhn,
ist dir verbrieft, ist dir verschrieben.
Du brauchst nichts weiter, als zu glauben,
daß er die Welt zum Besten lenkt,
und eifrig gegen den zu schnauben,
der Gottes Reich sich anders denkt.

Und gläubig schnaubend, lächelst du,
erfüllt von heilgem Himmelsfeuer,
dem Nächsten Gottes Liebe zu - -
die deinige ist dir zu teuer.
Die göttliche reicht für die Scharen
der Ungezählten ewig aus;
die menschliche hat man zu sparen;
sie geht nicht übers Ich hinaus.

Und dieser Glaube will der Welt
durch diese Liebe Frieden bringen
und läßt als Herrscher und als Held
sein »Et in terra« erklingen!
Und dieser Glaube, viel zerrissen,
stets mit sich selbst in Zank und Streit,
er will allein zu finden wissen
das, was ihm fehlt, die Einigkeit!

O, glaub an diesen Glauben nicht!
Glaub nur allein an Gottes Liebe.
Was er der Menschheit auch verspricht,
nichts ist, was er nicht schuldig bliebe.
Es kann nur einen Glauben geben,
wie es nur eine Liebe gibt,
und beide sind vereint im Leben
dann, wenn der Mensch den Menschen liebt.

Nun steig empor ins Himmelreich,
und bring herab den Völkerfrieden!
Er ist dem Dort und Hier zugleich,
der Erde nicht allein, beschieden.
Hol uns den einen Glauben wieder,
der auch nur eine Liebe kennt,
dann schwebt mit ihm der Engel nieder,
den man den Völkerfrieden nennt.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

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