Ludwig Thoma

Sonntag, 28. April 2013

Ehrlicher Protest

Ludwig Thoma


Protektion im Diplomaten-
Dienste!! Nein, wer so was sagt.
Man betrachte doch die Taten
Der Regierung, vor man klagt!

Freilich sind es nur Barone
Oder Grafen, die man nimmt, --
Aber das geschieht doch ohne
Absicht! Nein! Die Wahl bestimmt

Nur die Qualität des Geistes
Und Bewußsein strenger Pflicht.
Das Verzeichnis nun beweist es,
Huber -- Lehmann hat es nicht.

Doch ein Sohn der Itzenplitze,
Wenn ein Rindvieh auch obschon,
Er kommt immer an die Spitze, --
Aber ohne Protektion.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Ludwig Thoma

Montag, 21. Januar 2013

Handel und Wandel

Ludwig Thoma



Ja, ja Herr Nachbar, s'ist ein Stück Geschichte
Was wir erleben, seh'n Sie, die Kultur
Geht mit Barbaren wieder ins Gerichte
Und nimmt die Bengel ordentlich in Kur.

Sie sprachen richtig von der Zeilen Wandel;
Wir müssen Absatz halten, das Gebiet
Erweitert täglich sich für unsern Handel,
Wenn hier der Schwindel nicht mehr völlig zieht.

Es liegt ein großer Zug im Geld verdienen;
Man bringt so manches ja daheim nicht los;
Gepanschten Schnaps zum Beispiel, alte Eisenschienen,
Doch überm Wasser geht das Zeug famos.

Und geht es nicht, will das Gesindel bocken,
Herr Nachbar, gibt es neuerdings Profit,
Man stellt Soldatenlümmel auf die Socken.
- Die Herrn Kommerzienräte tun nicht mit.

Sie dürfen sich für ihre Erben schonen
Und schöpfen aus dem Krieg noch Überschuß,
Denn auch der Feind braucht Flinten und Kanonen,
So kommt die Waffenindustrie in Fluss.



Quelle: https://www.dfg-vk-bonn-rhein-sieg.de

Montag, 7. September 2009

Heuchler

Ludwig Thoma



Im Schweinekober der Zentrumspartei
Gibt es einen lieblichen Brei.
Das fährt mit hundert schmutzigen Rüsseln
In die mit Unrat gefüllten Schüsseln
Und wirft den Kot umher in den Gassen.
Man könnte die Säue gewähren lassen,
Erfüllten sie nicht die Welt mit Geschrei,
dass nur bei ihnen das Gute sei.
In Zentrumsblättern ist also zu lesen.
Der Luther sei geschlechtskrank gewesen.
Das schreibt so einer, der voriges Jahr
Vielleicht noch weilte im Seminar,
Und heute noch strebt mit vielen Beschwerden,
Hinter den Ohren trocken zu werden,
Der ist erfüllt vom heiligen Triebe
Der allerbarmenden Nächstenliebe.
Begießt die Toten im Grab mit Jauche
Nach altem römischem Pfaffenbrauche.
Und alle die Guten, Braven und Frommen
Heißen die Lüge von Herzen willkommen,
Sie zeigen sie ihren Kindern und Frauen,
Damit auch sie sich christlich erbauen,
Und scheuen sich nicht, sie einzuweihen
In schmutzige Zoten. Doch morgen schreien
Sie wieder mit aufgesperrtem Rachen,
Sie müssten die deutsche Moral bewachen.




Quelle: https://gedichte.xbib.de

Lied der Großindustriellen

Ludwig Thoma


Wir lieben dieses Vaterland!
Doch fesselt uns ein schön'res Band
Viel stärker, unvergleichlich zäh
Ans Portemonnaie.

Die Treue unserm Königshaus,
Wir hängen sie beim Sekt heraus,
Indes noch immer hat das Prae
Das Portemonnaie.

An Gott im Himmel glauben wir.
Wär Er dem Volk nicht mehr 's Panier,
Wer wüsste dann, was wohl geschäh'
Dem Portemonnaie?

So lebt sich's gut bei dem System,
Wir ändern es auch je nachdem,
Wenn man wo einen Vorteil säh'
Fürs Portemonnaie.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

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