Sándor Petőfi

Mittwoch, 16. Januar 2013

Welthass

Sándor Petöfi


Herrgott im Himmel! Teufel in der Hölle!
Geht das hier fort so, ohne Unterlass?
Ein Weltenfresser hockt auf jeder Schwelle;
In jedem Strauche lauert Menschenhass.

Sie schleudern wild die Steine ihrer Flüche
Und geben nur ihrem Hass sich kund:
Wie offene Gräber modrigen Gerüche,
Entsteigen ekle Flüche ihren Mund.

Hat Liebe eure Antlitz je gerötet,
Dass ihr enttäuscht im Hasse Zuflucht sucht?
Habt für die Menschheit Heil ihr je gebetet,
Dass ihr sie jetzt erbarmungslos verflucht?

Zertrat die Welt in feindlich rauhem Streben
Das Herz, das Freundschaft ihr entgegen trug? -
Ihr habt der Welt das Herz nicht hingegeben, -
Weil nie ein Herz in euren Busen schlug!

Kein Herz besitzt ihr! Taschen nur und Magen ...
Und weil ihr die nicht immer füllen könnt,
Füllt ihr die Welt mit Flüchen und Klagen
Und hasst alles unterm Firmament ...


Quelle: https://www.dfg-vk-bonn-rhein-sieg.de

Dienstag, 27. September 2011

Mein Schicksal, schaff mir Raum

SÁNDOR PETŐFI


Mein Schicksal, schaff mir Raum, sinnvoll zu leben,
zu wirken für der Menschheit Wohl!
Weh mir, wenn ungenutzt die reine Flamme,
die in mir brennt, verlöschen soll!

Mag diese Flamme mich auch ganz verzehren,
vom Himmel ward sie mir zuteil.
Mit jedem Schlage fleht mein Herz inbrünstig
um aller Menschen Glück und Heil.

Doch fleht's nicht nur darum mit leeren Worten,
nein, all mein Tun sei der Beweis,
wär auch ein neues Kreuz für diese Taten,
ein neues Golgatha mein Preis.

Ja, für der Menschheit Glück gäb ich mein Leben,
der schönste Tod wär dies, fürwahr!
Gern möcht ich alles dafür geben,
den höchsten Rausch der Lust sogar!

Schicksal, versprich es mir, daß ich so sterbe!
Gern richt ich auf mit eigner Hand
das heilige Marterholz, daran mich kreuzigt
der Menschheitsfeinde Unverstand.


Quelle: https://mek.oszk.hu/01000/01008/01008.htm

Montag, 14. März 2011

Europa schweigt

Sándor Petőfi


Europa schweigt schicksalsergeben.
Revolution - wen kümmert's noch?
Ihr Ruf verklang, o Schmach und Schande!
Die Freiheit stöhnt wie einst im Joch...

Verlassen sehn sich die Magyaren.
Kein Volk rührt da noch eine Hand.
Die Feiglinge ziehn vor die Ketten.
Nur wir noch leisten Widerstand!

Doch sollten wir darob verzweifeln,
wär uns zu jammern drum erlaubt?
Nein! Um so stolzer, um so höher,
mein Vaterland, erheb dein Haupt!

Nur härter macht es unsre Herzen.
Schläft auch rundum die ganze Welt,
wir halten hoch die letzte Fackel,
die diese Finsternis erhellt.

Wenn diese Fackel nicht mehr lodert,
hier unten nicht mehr sichtbar wär,
könnt man im Himmel gar noch meinen,
die Erde existiert nicht mehr.

Du blickst auf uns, Göttin der Freiheit,
bewunderst deines Volkes Mut.
Wo andre sich die Tränen sparen,
verströmen wir stolz unser Blut.

Braucht's mehr noch, um in spätren Tagen
wert deiner Segnungen zu sein?
Verriet dich unsre Zeit, wir standen
als letzte Kämpfer für dich ein!




Quelle: https://www.ungarn-guide.com/literatur_07.php

Sonntag, 13. März 2011

Helden in Lumpen

Sándor Petőfi


Auch ich könnt meine Verse kleiden
in schöne Reime, strenge Form,
geschniegelt nach der Etikette,
die in Salons der Noblen Norm.

Doch meine Lieder sind nicht Gecken,
die albern auf Empfänge gehn
mit Handschuhn, parfümierten Locken,
begierig nur nach Weibern sehn.

Zwar nicht mit Schwertern und Kanonen,
die lange schon der Rost befiel,
wird heut gekämpft, nein: mit Ideen.
Doch ist auch das kein Kinderspiel.

In diesen Schlachten des Jahrhunderts
bin als Soldat ich eingereiht,
und meine Lieder sind getreue
Vorkämpfer in dem harten Streit.

Arm sehn sie aus, zerfranst, zerschlissen,
doch groß ist ihre Tapferkeit,
und Heldenmut ehrt den Soldaten
mehr als ein goldbetreßtes Kleid.

Ob sie mich überleben werden,
die Sorge quält mich heute nicht.
Sie mögen ohne Ruhm vergehen,
erfüllten sie nur ihre Pflicht.

Ein Buch, das meine schlichten Lieder
bewahrt, ehrwürdig wird es sein
wie Gräber namenloser Helden,
die für die Freiheit standen ein.




Quelle: https://www.ungarn-guide.com/literatur_07.php

Dienstag, 24. März 2009

Von Krieg träumte ich

Sandor Petöfi


Heute nacht hab ich geträumt: Ganz Ungarn
rief man auf zum Krieg! - Ich hab gehört
diesen Ruf, gesehn das alte Zeichen,
das im Land umging, das blutige Schwert.

Jeder, der es sah, hat sich erhoben,
jeder, der nicht gänzlich blutlos schon.
Keinem winkte schnödes Geld als Kriegssold,
allen nur der Freiheitskranz als Lohn.

Und das war am Tage unsrer Hochzeit,
Liebste, vor der ersten süßen Nacht.
Für mein Land zu sterben, hab ich dennoch
mich zum Marsch sogleich bereitgemacht.

Vor der Hochzeitsnacht ins Feld zu ziehen?
Ich erschaure, denk ich nur daran.
Dennoch, Liebste, wenn die Freiheit riefe,
tät ich es, wie ich's im Traum getan.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

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