Montag, 4. April 2011

Sei stark!

Karl Henckell


Es sprach mein Herz,
Es sang mein Herz:
Sei stark und fröhlich auf der Welt!
Was dir mißglückt,
Was dich bedrückt,
Wirf hinter dich aufs Totenfeld!

An Mute klein
Kann jeder sein,
Was ist denn da Besondres dran?
Das Leben ist
Voll Kampf und List –
Weh dem, der's nicht vertragen kann!

Ein armer Wicht,
Wer gleich verzicht
Und senkt sein Fähnlein in den Staub!
Du denk und dicht
Ins Morgenlicht
Und weißt du nicht wie's geht, so glaub!

Schwarzsehern traun,
Heißt Särge baun,
Sollst dorthin schaun, wo winkt ein Held.
Es sprach mein Herz,
Es sang mein Herz:
Sei stark und fröhlich trotz der Welt!



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Samstag, 2. April 2011

Herbstmorgen im Kerker (Erich Mühsam) - Christoph Holzhöfer

Dienstag, 29. März 2011

Auswanderer

Hedwig Lachmann


Sie nehmen ihre Kinder an der Hand
Und ziehen fort; es duldet sie kein Land.

Grenzwächter sind auf ihren Weg gestellt,
Wie wenn ein Hund am Tor die Wache hält.

Sind überm Meer noch ein paar Ackerbreit,
Worauf nicht Gras noch Futterkorn gedeiht?

Sanddünen, die kein Sämann noch bewarf,
Dass dort ein Bettelvolk verhungern darf?

Der Bauch der Schiffe nimmt sie endlich auf,
Zum Ballast hingeworfen, Hauf um Hauf.

Und setzt sie an den fernen Küsten aus
Wie Findlingskinder vor ein fremdes Haus.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Donnerstag, 24. März 2011

Hart stoßen sich die Wände in den Straßen

Ernst Wilhelm Lotz


Hart stoßen sich die Wände in den Straßen,
Vom Licht gezerrt, das auf das Pflaster keucht,
Und Kaffeehäuser schweben im Geleucht
Der Scheiben, hoch gefüllt mit wiehernden Grimassen.

Wir sind nach Süden krank, nach Fernen, Wind,
Nach Wäldern, fremd von ungekühlten Lüsten,
Und Wüstengürteln, die voll Sommer sind,
Nach weißen Meeren, brodelnd an besonnte Küsten.

Wir sind nach Frauen krank, nach Fleisch und Poren,
Es müßten Pantherinnen sein, gefährlich zart,
In einem wild gekochten Fieberland geboren.
Wir sind versehnt nach Reizen unbekannter Art.

Wir sind nach Dingen krank, die wir nicht kennen.
Wir sind sehr jung. Und fiebern noch nach Welt.
Wir leuchten leise. – Doch wir könnten brennen.
Wir suchen immer Wind, der uns zu Flammen schwellt.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Mittwoch, 23. März 2011

Der Geizhals

Heinrich Martin Jaenicke


Du, schmutz'ger Geizhals, dort bei Deinen Schätzen!
Ha, könnt' ich gegen Dich die Geißel schwingen,
Daß meine Hiebe bis ins Mark Dir dringen –
Ich würde mit Vergnügen Dich zerfetzen.

Du spielst mit Menschenrechten und Gesetzen;
Versteh'st Dich schlau der Strafe zu entringen;
Doch, kommt die Stunde, wird Vergeltung bringen,
Wenn Dich die Fur'en des Gewissens hetzen.

Ja, wüßtest Du, wie viele Freuden sprießen,
Wie leicht Du Dich und Andre kannst beglücken –
Dein Leben würdest edler Du genießen.

O, geh' zum Armen, den die Sorgen drücken,
Dort lasse Dir des Dankes Thränen fließen –
Sie adeln, Dich, Du erntest Hochentzücken.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Sonntag, 13. März 2011

Helden in Lumpen

Sándor Petőfi


Auch ich könnt meine Verse kleiden
in schöne Reime, strenge Form,
geschniegelt nach der Etikette,
die in Salons der Noblen Norm.

Doch meine Lieder sind nicht Gecken,
die albern auf Empfänge gehn
mit Handschuhn, parfümierten Locken,
begierig nur nach Weibern sehn.

Zwar nicht mit Schwertern und Kanonen,
die lange schon der Rost befiel,
wird heut gekämpft, nein: mit Ideen.
Doch ist auch das kein Kinderspiel.

In diesen Schlachten des Jahrhunderts
bin als Soldat ich eingereiht,
und meine Lieder sind getreue
Vorkämpfer in dem harten Streit.

Arm sehn sie aus, zerfranst, zerschlissen,
doch groß ist ihre Tapferkeit,
und Heldenmut ehrt den Soldaten
mehr als ein goldbetreßtes Kleid.

Ob sie mich überleben werden,
die Sorge quält mich heute nicht.
Sie mögen ohne Ruhm vergehen,
erfüllten sie nur ihre Pflicht.

Ein Buch, das meine schlichten Lieder
bewahrt, ehrwürdig wird es sein
wie Gräber namenloser Helden,
die für die Freiheit standen ein.




Quelle: https://www.ungarn-guide.com/literatur_07.php

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