Dienstag, 3. Mai 2011

Anarcholied

Jürgen F. Weißleder


Ref.:
Lass Krachen Anarchist
du allein weißt, wer du bist
schau, dein Ego überzeugt
das KEINER jemals beugt

Wir sind das Rückrat der Nation
die müden Schleimer lamentier’n
wir nehmen auf uns auch den Hohn
weil wir nicht schwarzweißrot marschier’n

Ref.: ….

Gesetze macht in diesem Staat
ne Kaste, die nicht koscher ist
die Schmierenkomödiantensaat,
die morgen landet auf dem MIST!

Ref.:…

Drum steh’n wir wider solchen Dreck
der Menschenleben billig beugt
wir sind der MOB vom Unterdeck
der locker eure Zukunft zeugt!

Ref.: ….

Wir sind das seltene Produkt,
das aufrecht lebt, sich niemals duckt
wir fragen nicht, wir handeln keck
wir schlagen euch die Basis weg!

Ref.: ….

Ihr hab’ die Zeichen nicht gerafft
derweil ihr dick Havanna pafft
wir brauchen keinen Euro Lohn
und keinen ÖlatomtodTHRON!

Ref.: ….

Dienstag, 26. April 2011

Hymnus an die Dummheit

Peter Hille


Dummheit, erhabene Göttin,
Unsere Patronin,
Die du auf goldenem Throne,
Auf niedriger Stirne die blitzende Krone,
Stumpfsinnig erhabenes Lächeln
Auf breitem Antlitz –
Königlich sitzest:
Siehe herab mit der Milde Miene
Auf deine treuen dir nachdummenden Kinder,
Verjage aus dem Land
Die Dichter und Künstler und Denker,
Unsere Verächter,
Vernichte die Bücher, Traumbuch und Rechenknecht,
Briefsteller und Lacherbsen verschonend,
Und wir bringen ein Eselchen dir,
Dein Lieblingstier,
Dein mildes, sanftes, ohrenaufsteigendes
Lieblingstier,
Eine goldene Krippe dafür
Und ein purpurnes Laken von Distel.


Quelle: Lesebuch/Gedichte und Aphorismen
https://www.lwl.org/literaturkommission/1biblio/hille/buch.htm

Sonntag, 24. April 2011

MAIfrei

Jürgen Weißleder

Keine Frage, welche Seite
Kein Gedanke an den Stil
Spekulanten schiebt beiseite
Weil der Mensch doch wohnen will

Nicht getrennt nach Haut und Klassen
Separiert nach Geldes Macht
Es soll jedem gleichwohl passen
Unversöhnlichkeit hält Wacht

Unversöhnlich gegen Haie
Gegen „Ackermann“ und Co.
KEINER denen je verzeihe
Geldgierraffer in den ZOO!!!

Boris 2011-04-24

Freitag, 22. April 2011

Die feindliche Erde

Ludwig Rubiner



Der Eiter der Erde lag in den Häusern. Unter hellen Lichtern saßen schmatzende Jobber.

In Nebenzimmern ragten gelangweilt lange schwarze Strümpfe, trägzuckende Schenkel über schwere geile Rücken.

Hintern tanzten vor polierten Klavieren, dunkle Langhaare geigten.
Kluge hielten in seidnen Salons Vorträge, daß alles auf Erden immer gleich bleibe.
Weiche Bartlose sprachen unter sich von dem Ekel am Weibe.
In steinernen Museen schritten sanft die ausgeschlafenen Kenner.
In heißen Redaktionen schrieb man die Lebensläufe berühmter Männer.

Die Zimmer der Stadt wölbten sich wie ein ungeheurer fetter Bauch, die Dachkuppeln lagen krumm strähnig über der breiten flachen Stirne.
Hinter den Fenstern saßen schnaufend träge Menschen steil wie dicke Riesenfinger.

Die Häuser glotzten wie die Freßzähne an einem ungeheuren, gähnenden Jahrmarkts-Ringer.
Die Erde faulte länglich auf zur wimmelnden himmlischen Birne.
Der Himmel rollte herum dunkel funkelnd im schwarzen hohlen Oval.
Das Licht war eingesogen in stampfende Kessel und Telegraphenstrahl.
Der Lampenschein strich klein durch die Straßen wie Wurmaugen nachts im Korn.
Das Licht war fort von der kleinen Erde, niemand saß in der Sonne oder blickte zum mondlichen Horn.

Die Trägheit schlug an die Ufer, faulende Riesenalgen wanden sich erdenrund um die Schimmelgrüne.
Drunten im Trüben schrieben wimmelnde Menschen noch eilige servile Telegramme, Briefe, Denunziationen voll Ranküne.
Tänzerinnen, Barone, Agenten, Geheimräte, Schutzleute, Ehefrauen, Studenten, Hauswirte freuten sich auf ihre dampfende Nacht.

Aber der arme Mob schaute das Wunder und war zur neuen Zeit aufgewacht.
Die böse gestörte Wut zitterte über die verregneten Telegraphenstangen,

Als die mürben Armen ohne Essen und Trinken zum göttlichen Himmel marschierten, wurden sie mit hartreißenden Flintenkugeln empfangen.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Mittwoch, 20. April 2011

Befreiung

Manfred Kyber


Den Schmerz bezwinge,
der um Formen trauert,
gedenke dessen,
was ewig dauert.
Der Glockengießer,
der sein Werk vollbringt,
zerstört die Form –
und seine Glocke klingt.
So auch zerstört
mit seinem Schwingenschlag
der Tod die Form,
auf dass die Seele tönen mag.


Quelle: https://gedichte.xbib.de

Dienstag, 5. April 2011

Letzter Marsch

Kurt Eisner


Den Zuchthäuslern gewidmet
(Beim Rundgang im Kerkerhof zu singen)

Schritt für Schritt,
o Freund, geh' mit,
die Not wirbt Mut,
Blick umher,
die Zeit läuft quer,
der Tod säuft Blut.

Schritt für Schritt,
o Freund, geh' mit!
Die Not
Wirbt Mut.
Blick umher
Die Zeit läuft quer!
Der Tod
Säuft Blut.

Ich und du
Verjagen Ruh:
Die Stadt
Wird wach;
Schreitet schwer,
Ein düstres Heer,
Verrat schleicht nach.

Schritt für Schritt
Der Tod geht mit,
Das Haupt
Trag hoch!
Liegt nichts dran:
Du warst ein Mann
Wer glaubt
Siegt doch!

(Gefängnis Stadelheim)


Quelle: https://gedichte.xbib.de

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