Dienstag, 7. Februar 2012

In seinem Sessel

Karl Marx


In seinem Sessel, behaglich dumm,
Sitzt schweigend das deutsche Publikum.
Braust der Sturm herüber, hinüber,
Wölkt sich der Himmel düster und trüber,
Zwischen die Blitze schlängelnd hin,
Das rührt es nicht in seinem Sinn.

Doch wenn sich die Sonne hervorbeweget,
Die Lüfte säuseln, der Sturm sich leget,
Dann hebt´s sich und macht ein Geschrei,
Und schreibt ein Buch: "der Lärm ist vorbei."

Fängt an darüber zu phantasieren,
Will dem Ding auf den Grundstoff spüren,
Glaubt, das sie doch nicht die rechte Art,
Der Himmel spaße auch ganz apart,
Müsse das All systematischer treiben,
Erst an dem Kopf, dann an den Füßen reiben,
Gebärd´t sich nun gar, wie ein Kind,
Sucht nach Dingen, die vermodert sind,
Hätt´indessen die Gegenwart sollen erfassen,
Und Erd´und Himmel laufen lassen,
Gingen ja doch ihren gewöhnlichen Gang,
Und die Welle braust ruhig den Fels entlang.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Sonntag, 5. Februar 2012

Zweierlei Treiben

Richard Dehmel


"Dir selbst entrinnen:
wohin und wie?
Kommst nie von hinnen,
zum Ziele nie.

Laß dich doch gehen,
laß dich treiben;
lerne dich drehen,
lern oben bleiben!"

Treiben - gut!
nach dem Gesetze:
Ich bin die Flut,
ihr seid die Klötze.


Quelle: https://gedichte.xbib.de

Samstag, 14. Januar 2012

wenn ich grinsebacke christian wulff wär' - christoph holzhöfer

Mittwoch, 11. Januar 2012

Da sind die Straßen...

Ernst Wilhelm Lotz


Da sind die Straßen weit und Licht-durchschrieen,
hoch wölkt der Staub und breitet aus den Schein,
durch den gehetzt Kolonnen Wagen fliehen
in violette Dunkelheit hinein.

Und Menschen, massenhaft und schwarz, durchstürmen
die Straßen, vorgebeugt und frongebannt.
Und Feierabend läutet von den Türmen
der Stadt, verloren, hoch und unerkannt.

Lärm stößt an Lärm. Schmerzhelle Klingeln schellen,
zersägend das Gehör. Wagen mit Eisen
erschüttern. Die Elektrische mit grellen
Schleiftönen nimmt die Kurve in den Gleisen.

Und meiner Nerven Netz, so fein besaitet,
drin Perlen hängen aus dem ewigen Meer:
es ist als Teppich in den Staub gebreitet,
und gräßlich wälzt der Tag sich drüberher.



https://gedichte.xbib.de

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Genug der Qualen!

Clara Müller-Jahnke


Ich ging mit dir durch alles Elends Tiefen,
geknechtet Volk, durch einen Pfuhl der Schmach;
die Stimmen hört' ich, die nach Freiheit riefen,
und meine Seele hallte zitternd nach.
Ich schlief mit dir in deiner Armut Hütten,
in die kein Mondlicht mild verklärend scheint,
all deinen Jammer hab' ich durchgelitten,
all deine Tränen hab' ich mitgeweint!

Ich frohnt' wie du dem Sausen der Maschine
im grauen Tagewerk voll Staub und Dunst;
mit deinen Töchtern ging ich, daß ich diene, -
um trocken Brot verkauft' ich Geist und Gunst!
Ich ballt' die Faust - und doch: das Joch zu tragen,
beugt' ich die Stirn vor des Gesetzes Fluch -
und deine Zähne hört' ich knirschend schlagen
und knirscht mit dir ein trotziges: »Genug!«

Genug des Knechttums und genug der Qualen!
Der Gott des Zorns, den deine Sehnsucht träumt,
geht durch die Welt. - Und wenn aus seinen Schalen
der erste Tropfen brausend überschäumt,
dann weh dem Götzen, der auf ehrnen Achsen
das Feld zerstampft, von deinem Schweiß beträuft:
aus deinen Tränen wird die Sturmflut wachsen,
die seine goldne Herrlichkeit ersäuft!

Dann aus den Himmeln fällt der Wahrheit Feuer
in deine Nacht, das einst Prometheus stahl -
an ihrem Brand entzündet sich ein neuer:
der Welterlösung leuchtend Flammenmal!
Lichttrunken will ich dann die Arme heben
und jauchzen in den glühen Glanz hinein -
und wenn des Liedes Gabe mir gegeben,
laß mich die Stimme deiner Freiheit sein!



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Montag, 19. Dezember 2011

Eiserne Brücken...

Peter Baum


Eiserne Brücken, durch die Luft getragen,
Sind in der Nacht mit Lichtern ausgeschlagen.
Und der du Feind im fremden Graben stehst,
Im stillen Schnee in gleichen Träumen wehst.
Fremd zwischen Völkern, die sich mordend hassen,
Sind Menschen wir, die bei den Stirnen fassen.
Und über Schlangen, die die Tode schwingen,
Erhebt sich schweigend von uns gleiches Singen.


Quelle: https://gedichte.xbib.de

Mein Widerspruch

Karl Kraus


Wo Leben sie der Lüge unterjochten,
war ich Revolutionär.
Wo gegen die Natur sie auf Normen pochten,
war ich Revolutionär.
Mit lebendig Leidendem hab ich gelitten.

Wo Freiheit sie für Phrase nutzten,
war ich Reaktionär.
Wo Kunst sie mit ihrem Können beschmutzten,
war ich Reaktionär.
Und bin bis zum Ursprung zurückgeschritten.



Quelle: https://www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/politische_gedichte.php

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