Samstag, 8. Februar 2014

Wir sind frei.

Laotse

Herrscht ein ganz Großer,
so weiß das Volk kaum, dass er da ist.
Mindere werden geliebt und gelobt,
noch Mindere werden gefürchtet,
noch Mindere werden verachtet.
Wie überlegt muss man sein in seinen Worten!
Die Werke sind vollbracht, die Geschäfte gehen ihren Lauf,
und die Leute denken alle:
"Wir sind frei."


Quelle: https://www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/politische_gedichte.php
(Laotse, Taoteking 17;
aus dem Chinesischen von Richard Wilhelm)

Samstag, 23. November 2013

Das gute Gewissen

Karl Kraus


Ganz resolut, als ob's in Ordnung wäre,
verübt der Zeitungslump die Lumperei.
Kein Wertbestand, der ihm nicht einerlei,
das Schänden, scheint es, schafft die wahre Ehre.
Den ehrlichen Mann erfaßt ein Neid
vor dem guten Gewissen der Schlechtigkeit.


Karl Kraus

Quelle: https://gedichte.xbib.de

Freitag, 22. November 2013

Ein Lied aus meiner Zeit

Hoffmann von Fallersleben


Ein politisch Lied, ein garstig Lied!
So dachten die Dichter mit Goethen
Und glaubten, sie hätten genug getan,
Wenn sie könnten girren und flöten
Von Nachtigallen, von Lieb und Wein,
Von blauen Bergesfernen,
Von Rosenduft und Lilienschein,
Von Sonne, Mond und Sternen.

Ein politisch Lied, ein garstig Lied!
So dachten die Dichter mit Goethen
Und glaubten, sie hätten genug getan,
Wenn sie könnten girren und flöten -
Doch anders dachte das Vaterland:
Das will von der Dichterinnung
Für den verbrauchten Leiertand
Nur Mut und biedre Gesinnung.

Ich sang nach alter Sitt' und Brauch
Von Mond und Sternen und Sonne,
Von Wein und Nachtigallen auch,
Von Liebeslust und Wonne.
Da rief mir zu das Vaterland:
Du sollst das Alte lassen,
Den alten verbrauchten Leiertand,
Du sollst die Zeit erfassen!

Denn anders geworden ist die Welt,
Es leben andere Leute;
Was gestern noch stand, schon heute fällt,
Was gestern nicht galt, gilt heute.
Und wer nicht die Kunst in unserer Zeit
Weiß gegen die Zeit zu richten,
Der werde nun endlich bei Zeiten gescheit
Und lasse lieber das Dichten!



Hoffmann von Fallersleben

Quelle: https://www.lyrik-lesezeichen.de/gedichte/politische_gedichte.php

Mittwoch, 13. November 2013

Anarchie

David Edelstadt


Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen,
eine Welt voller Liebe und Harmonie,
wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören;
das ist Anarchie!

Eine Welt in der niemand regiert
über des anderen Arbeit und Müh;
frei werden sein die Herzen und Geister;
das ist Anarchie!

Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt,
den Schwachen und Starken, den er und die sie,
deins und meins wird niemanden drücken;
das ist Anarchie!

Eine Welt in der die Liebe nichts weiß,
vom schändlichen Handel, frei wird sie
in einer liebenden Brust glücklich genießen;
das ist Anarchie!

Eine Welt wo Kirchen und Synagogen,
verwandelt werden in Ställe fürs Vieh,
alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;
das ist Anarchie!

Eine Welt wo der freie Geist aufbricht
den finsteren Turm der Theologie,
vernichten die Ursache aller Verbrechen;
das ist Anarchie!

Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen,
alle blutigen Zeichen der Monarchie,
einsam im Museum stehen;
das ist Anarchie!

Eine Welt wo die Sonne erhebt,
die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie,
eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;
das ist Anarchie!

Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen,
wie die ganze Menschheit, heilig wie sie,
Freiheit wird alles erquicken, erlösen;
das ist Anarchie!


David Edelstadt

Quelle: https://www.anarchismus.at

Dienstag, 5. November 2013

Wer nie in der Jugend...

Oskar Blumenthal

Wer nie in der Jugend Gewitterdrang
über jedes trennende Gitter sprang,
wer nie sünd´gem Verlangen gebebt hat
und immer nur nach Erlaubtem gestrebt hat,
dem schmücke das Wams mit Orden und Tressen,
doch sag ihm, er habe zu leben vergessen.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Oskar Blumenthal

Dienstag, 20. August 2013

Demokratischer Wahlkrampf

Falderwald


Die Zeit, als ihr noch Ideale wart,
hat sich verschlissen und ist längst vorbei,
politisch motivierter Einheitsbrei
bestimmt den Kurs auf eurer Butterfahrt.

Mit unverblümter Augenwischerei
in eurer speziellen Eigenart
gestaltet ihr die Welt der Gegenwart,
als sei sie ein Produkt der Gaunerei.

Ihr tut so edelmütig, doch tatsächlich
habt ihr betrogen, Titel euch erschlichen
und immer wieder seid ihr auch bestechlich.

Als Prototypen all der öffentlichen
Gesichter habt ihr fast schon unaussprechlich
den Anstand aus dem Wahlprogramm gestrichen.



Quelle: https://www.gedichte-eiland.de

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