Sonntag, 12. Juni 2011

Der Krieg.

Alfons Petzold


Aus unbekannten Tiefen stürmt es her,
Es donnert an die Wände, überbraust
Der Räder Sausen, stäupt die Säle leer
Und reißt vom Werke jede Arbeitsfaust.

Seit Jahren wühlte es aus Angst und Haß
Sich aufwärts in das grelle Tageslicht.
Nun ist es fremd dem dunkelen Gelaß
Und glüht aus jedem finsteren Gesicht.

Millionen Hände sind ihm untertan,
Weh dem, der warnend ihm entgegentritt,
Der wilde Blutrausch ist kein Traum und Wahn
Er schreit und klirrt aus jedem Wort und Schritt.

Und reißt die Herzen aus den Brüsten. Rot
Blüht's aus den Feldern, aus dem Stein der Stadt.
Aus tausend Schlünden springt der giere Tod,
Er springt und würgt und trinkt sich nimmer satt.


Quelle: https://gedichte.xbib.de

Samstag, 11. Juni 2011

Predigt ans Großstadtvolk

Richard Dehmel


Ja, die Großstadt macht klein.
Ich sehe mit erstickter Sehnsucht
durch tausend Menschendünste zur Sonne auf;
und selbst mein Vater, der sich zwischen den Riesen
seines Kiefern- und Eichen-Forstes
wie ein Zaubermeister ausnimmt,
ist zwischen diesen prahlenden Mauern
nur ein verbauertes altes Männchen.
O laßt euch rühren, ihr Tausende!
Einst sah ich euch in sternklarer Winternacht
zwischen den trüben Reihen der Gaslaternen
wie einen ungeheuren Heerwurm
den Ausweg aus eurer Drangsal suchen;
dann aber krocht ihr in einen bezahlten Saal
und hörtet Worte durch Rauch und Bierdunst schallen
von Freiheit, Gleichheit und dergleichen.
Geht doch hinaus und seht die Bäume wachsen:
sie wurzeln fest und lassen sich züchten,
und jeder bäumt sich anders zum Licht.
Ihr freilich, ihr habt Füße und Fäuste,
euch braucht kein Forstmann erst Raum zu schaffen,
ihr steht und schafft euch Zuchthausmauern -
so geht doch, schafft euch Land! Land! rührt euch!
vorwärts! rückt aus! -


Quelle: https://gedichte.xbib.de

Donnerstag, 26. Mai 2011

An einen politischen Dichter

Heinrich Heine


Du singst wie einst Tyrtäus sang,
Von Heldenmut beseelet,
Doch hast du schlecht dein Publikum
Und deine Zeit gewählet.

Beifällig horchen sie dir zwar,
Und loben schier begeistert:
Wie edel dein Gedankenflug,
Wie du die Form bemeistert.

Sie pflegen auch beim Glase Wein
Ein Vivat dir zu bringen,
Und manchen Schlachtgesang von dir
Lautbrüllend nachzusingen.

Der Knecht singt gern ein Freiheitslied
Des Abends in der Schenke:
Das fördert die Verdauungskraft
Und würzet die Getränke.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Montag, 23. Mai 2011

Lieber auf eigene Rechnung

Cäsar Otto Hugo Flaischlen

Lieber auf eigene Rechnung
ein Lump sein,
als ein feiner Herr
auf Pump sein!
dieweil:
wer ein solcher auf Pump ist,
nicht ‘mal ein ehrlicher Lump ist.


Quelle: https://gedichte.xbib.de

Mittwoch, 11. Mai 2011

An den Bürger

Karl Kraus


Daß im Dunkel die dort leben,
so du selbst nur Sonne hast;
daß für dich sie Lasten heben,
neben ihrer eignen Last;
daß du frei durch ihre Ketten,
Tag erlangst durch ihre Nacht:
was wird von der Schuld dich retten,
daß du daran nie gedacht!


Quelle: https://gedichte.xbib.de

Mittwoch, 4. Mai 2011

Empörung

Hedwig Lachmann


Es freuen sich die Schergen und die Schächer,
Dass man die Unschuld peinigt und verhöhnt,
Gebunden steht das Opfer, dran ein frecher
Tyrannendünkel seiner Willkür frönt.

So muss zu Fluch und ewigem Verderben
Der Schwache dulden die metallne Faust,
Die, ihm ihr Schandmal in das Fleisch zu kerben,
Auf den gebeugten Nacken niedersaust.

Zu seinem mörderischen Handwerk rüstet
Sich auf dem Markte der gedungne Knecht,
Der Menschenwohnungen zu Staub verwüstet,
Vom Boden tilgt ein wehrloses Geschlecht.

Wie von bekränzten Stieren, an Altären
Dem frommen Opfertod geweiht, raucht warm
Das Menschenblut zu einer Gottheit Ehren
Und keiner fällt den Henkern in den Arm.

Einst tönte eine Botschaft in die Lande,
Die in Erbarmen wandelte die Gier
Und schlug um alle Menschen Liebesbande:
Was ihr den Ärmsten tut, das tut ihr mir!

Wo wächst die Kraft, dass sie die Flammen schüre,
Den Mordgeist wie ein Spukgebild verscheuch',
Mit Allgewalt an alle Herzen rühre:
Was diesen hier geschieht, das tut man euch!

Wann schwillt zu solch zerstörerischer Welle
Getretner Menschengeist, dass er sich bäumt,
Wild überflutet seine eigne Schwelle
Und dann gelassen wieder weiterschäumt?


Quelle: https://gedichte.xbib.de

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