Mittwoch, 7. September 2011

Geld allein.

Joachim Ringelnatz


Wie gut, daß alle einander nicht gleichen.
Wie recht, daß manche es erreichen,
Daß sie eines Tages reich sind.
Wie gut, daß auch diese einander nicht gleich sind.

Schlechte Menschen ohne Geist, ohne Geschmack,
Wenn sie noch so reich sind, bleiben nur Pack.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Dienstag, 23. August 2011

Alles wird wieder groß sein und gewaltig

Rainer Maria Rilke


Alles wird wieder groß sein und gewaltig.
Die Lande einfach und die Wasser faltig,
die Bäume riesig und sehr klein die Mauern;
und in den Tälern, stark und vielgestaltig,
ein Volk von Hirten und von Ackerbauern.

Und keine Kirchen, welche Gott umklammern
wie einen Flüchtling und ihn dann bejammern
wie ein gefangenes und wundes Tier, -
die Häuser gastlich allen Einlassklopfern
und ein Gefühl von unbegrenztem Opfern
in allem Handeln und in dir und mir.

Kein Jenseitswarten und kein Schaun nach drüben,
nur Sehnsucht, auch den Tod nicht zu entweihn
und dienend sich am Irdischen zu üben,
um seinen Händen nicht mehr neu zu sein.


Quelle: https://gedichte.xbib.de

Sonntag, 17. Juli 2011

PROKLAMATION

Majk Johansen ( 1895-1937)


Wir laden einst mit Himbeersaft die Flinten,
Und schenken sie den Säuglingen zum Spiel.
Und nageln den Kanonen vorn und hinten
Ein hölzern Joch ins mörderische Ziel.

Vom Rost erblinden dann die Panzerschiffe,
Und senken stumm sich in den Meereskies:
Dort in dem Sand der tief versteckten Riffe
Entschläft für Ewigkeit das Goldne Vlies.

Doch noch ist´s weit. Noch leben die Geschütze,
Noch hängen scharfe Flinten an der Wand,
Noch exerzieren Krieg in Frost und Hitze
Soldaten auf der See und auf dem Land.

Noch gilt es, Bruder Böttcher, lang zu bohren
Bis aus der Birkentonne dunklem Schrein
Emporschießt, flammend und im Rausch geboren,
Der Aufruhr, gleich dem tausendjähr´gen Wein.

Dann laden wir mit Himbeersaft die Flinten
Und schenken sie den Säuglingen zum Spiel,
Als Denkmal einer Zeit, die statt in Hyazinthen
Im Dorngestrüpp vermorscht zusammenfiel.


Quelle: Gedichte gegen den Krieg von Kurt Fassmann (Verlag: zweitausendeins)

Montag, 11. Juli 2011

Auf gutdeutsche Art

Falderwald


Es ist per Exklusivvertrag
mit Lügen und Diäten
der aktuelle Bundestag
gewöhnlich angetreten.

Als Synonym für Politik
steht heute die Misere,
in der Bananenrepublik
macht Korruption Karriere.

Jetzt naht das zweite Sommerloch
der Schwestern und der Brüder,
man sollte sie verjagen, doch
das Volk wird immer müder.

Der Staat sanierte routiniert
Betrüger sowie Banken,
doch kürzte er ganz ungeniert
bei Schwachen und bei Kranken.

Darum ist auch der große Frust
des Volkes zu verstehen,
denn das hat langsam keine Lust
mehr weiter mit zu gehen.

So wird nun die Regierungspflicht
ganz einfach ausgesessen,
weil die Geschichte dafür spricht,
daß Menschen schnell vergessen.

Denn unser deutscher Michel ist
wie immer treu und bieder,
darum wählt er den alten Mist
beizeiten gerne wieder.



https://www.gedichte-eiland.de

Samstag, 9. Juli 2011

Der sterbende Soldat

Karl Kraus


Hauptmann, hol her das Standgericht!
Ich sterb' für keinen Kaiser nicht!
Hauptmann, du bist des Kaisers Wicht!
Bin tot ich, salutier' ich nicht!

Wenn ich bei meinem Herren wohn',
ist unter mir des Kaisers Thron,
und hab' für sein Geheiß nur Hohn!
Wo ist mein Dorf? Dort spielt mein Sohn.

Wenn ich in meinem Herrn entschlief,
kommt an mein letzter Feldpostbrief.
Es rief, es rief, es rief, es rief!
Oh, wie ist meine Liebe tief!

Hauptmann, du bist nicht bei Verstand,
daß du mich hast hierher gesandt.
Im Feuer ist mein Herz verbrannt.
Ich sterbe für kein Vaterland!

Ihr zwingt mich nicht, ihr zwingt mich nicht!
Seht, wie der Tod die Fessel bricht!
So stellt den Tod vors Standgericht!
Ich sterb', doch für den Kaiser nicht.



Quelle: https://gedichte.xbib.de

Samstag, 25. Juni 2011

Grodek

Georg Trakl


Am Abend tönen die herbstlichen Wälder
Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen
Und blauen Seen, darüber die Sonne
Düstrer hinrollt; umfängt die Nacht
Sterbende Krieger, die wilde Klage
Ihrer zerbrochenen Münder.
Doch stille sammelt im Weidengrund
Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt
Das vergoßne Blut sich, mondne Kühle;
Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.
Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen
Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,
Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;
Und leise tönen im Rohr die dunklen Flöten des Herbstes.
O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre
Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,
Die ungebornen Enkel.


Quelle: https://gedichte.xbib.de

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