Mittwoch, 24. Oktober 2012

Marschlied

Ernst Toller


Wir Wand'rer zum Tode,
Der Erdnot geweiht,
Wir kranzlose Opfer,
Zu letzten bereit.

Wir fern aller Freude
Und fremd aller Qual.
Wir Blütenverwehte
Im nächtlichen Tal.

Wir Preis einer Mutter,
Die nie sich erfüllt,
Wir wunschlose Kinder,
Von Schmerzen gestillt.

Wir Tränen der Frauen,
Wir lichtlose Nacht,
Wir Weisen der Erde
Ziehn stumm in die Schlacht.



Quelle: https://hor.de/gedichte/ernst_toller/index.html

Samstag, 22. September 2012

Vagabundenlied

Georg Busse-Palma


Herdfeuer rauchen in aller Welt.
Wo meines wohl flackert?
Mein Feuer frißt Stoppeln,
mein Herd ist das Feld,
Wenn keiner es ackert.

Im Regen verqualmt, im Winde verloht
Meine Flamme, die junge.
Doch duldet's der Himmel,
dann röstet mein Brot
Seine glühende Zunge.

Korn, das ich stahl aus dem Hamsterloch, -
Wer hätt' mir's gegeben?
Ich fluch' meinem Elend,
und füttre es doch -
Dein Sklave, o Leben!

Sieh, ich bin flüchtig in aller Welt
Und Freund nur den Gassen.
Bin hungrig und elend,
verfolgt und gequält,
Und kann dich nicht lassen!


Quelle: https://gedichte.xbib.de

Freitag, 21. September 2012

Der Milan

Alexander Alexandrowitsch Blok


Kreis um Kreis um seine Kreise schlingend
Der Milan kreist über leerem Grasland
Auf das platte randlos fahle äugt er.
Zum Sohn die Mutter, kummerblickend, in
Der Kate, sagt: Da hast du Brot und Brust
Wachse und gehorche, trag dein Kreuz.

Jahrhundert um Jahrhundert, Krieg und Krieg
Ein Aufstand, die brennenden Hütten:
Du, mein Land, bist ja das gleiche immer
Schön aber weinend, uralt aber schön.
Wie lange noch die Kummerblicke der Mutter
Und der Aasvögel Kreise: wie lange noch?


(Karl Mickel)


Quelle: Quelle: Tränen und Rosen, Krieg und Frieden in Gedichten aus fünf Jahrtausenden von Achim Roscher, Verlag der Nation Berlin

Freitag, 14. September 2012

Rast auf der Flucht

Max Herrmann-Neisse


Laß mich das Leben noch schmecken,
eh die Vernichtung uns trifft:
Gaskrieg, Marter, Verrecken,
Bombe, tückisches Gift.
Sommerlich sind noch die Stühle
auf die Straßen gestellt,
Bilder, Farben, Gefühle,
Schmuck einer glücklichen Welt.
Gönne mir noch diesen weichen,
kindlich verspielten Genuß,
morgen vielleicht trifft zur gleichen
Zeit mich der tödliche Schuß.
Heut noch an Springbrunnen träumen
in den tönenden Tag,
sich an das Schöne versäumen
kurz vor dem Glockenschlag,
der das alles beendet,
dem letzten, den man vernimmt.
Was das Geschick dann sendet,
werde, wie es bestimmt.
Heut laß zum letzten Male
arglos und froh mich hier sein,
fülle die gläserne Schale
mir mit Abschiedswein!
Wird sie geleert zerscherben,
war ich doch göttlich zu Gast.
Gönne vor Kampf und Sterben
mir diese lindernde Rast!



Quelle: Gedichte gegen den KRIEG, Kurt Fassmann, Zweitausendeins

Max Herrmann-Neisse

Freitag, 7. September 2012

Sie nahmen

Marina Zwetajewa

Die Tschechen traten auf die Deutschen zu und spuckten ... (Märzzeitung 1939)



Sie nahmen schnell und mit Großmannsmut:
Sie nahmen den Berg und was unter ihm ruht,
Sie nahmen die Kohle, sie nahmen den Stahl,
Sie nahmen das Blei, und sie nahmen Kristall.

Sie nahmen den Zucker, sie nahmen den Klee,
Sie nahmen die Ferne, sie nahmen die Näh,
Sie nahmen den Westen, sie nahmen den Nord,
Sie nahmen den Süden und Osten fort.

Sie nahmen den Honig, sie nahmen das Bad,
Sie nahmen das Heu, und sie nahmen den Grat,
Sie nahmen das irdische Eden, jedoch:
Sie nahmen kampflos den Kampf uns noch!

Sie nahmen Geschütz, und sie nahmen Geschoß,
Sie nahmen uns Erze und Freund und Genoss´ -
Wir haben noch Spucke, und die ist für sie:
Uns ganz zu entwaffnen, das schaffen sie nie.


Paris, 9.Mai 1939
(Karl Mickel)

Quelle: Tränen und Rosen, Krieg und Frieden in Gedichten aus fünf Jahrtausenden von Achim Roscher, Verlag der Nation Berlin

Menschlichkeit

Frank Wedekind


Der grausamste Krieg – der menschlichste Krieg!
Zum Frieden führt er durch raschesten Sieg.
Kaum hört's der Gegner, denkt er: Hallo!
Natürlich wüt' ich dann ebenso!
Nun treiben die beiden Wüteriche
Die Grausamkeit ins Ungeheuerliche
Und suchen durch das grausamste Wüten
Sich gegenseitig zu überbieten –
Jeder gegen den andern bewehrt
Durch zehn Millionen Leute,
Und wenn sie noch nicht aufgehört,
Dann wüten sie noch heute.




Quelle: Tränen und Rosen, Krieg und Frieden in Gedichten aus fünf Jahrtausenden von Achim Roscher, Verlag der Nation Berlin

Donnerstag, 6. September 2012

Wie viele! . . .

John Henry Mackay


Wie viele Gedanken fluten
Durch unsere Stirnen – und doch:
Am Wege die meisten verbluten,
Zu frei für der Worte Joch!

Und die Gefühle – wie viele
Durch unsere Herzen auch ziehn,
Die meisten erlahmen dem Ziele:
Erkalten – zerflattern – zerfliehn!


Quelle: https://gedichte.xbib.de

Impressum/Kontakt

Suche

 

Menü

Sozialkritische Gedichte

twoday.net

Lesestoff







Jürgen Friedrich Weissleder, Jana Ramm
TAGESdosen & pfandZEITEN

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (summary)
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB

Blogverzeichnis Blog Button Blogverzeichnis

Web Counter-Modul


(Alfred Henschke) Klabund
Ada Christen
Adinda Flemmich
Adolf Friedrich von Schack
Adolf Glaßbrenner
Adolf Schults
Albin Zollinger
Albrecht von Haller
Alexander Alexandrowitsch Blok
Alexander Puschkin
Alfons Petzold
Alfred Lichtenstein
Annette Droste-Hülshoff
Anton Alfred Noder
Arno Holz
Attila József
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
development